Wissenschaft ist ein wichtiger Bereich in unserer Gesellschaft. Über die Hochschulen ist zudem Forschung und Lehre miteinander verwoben, der Wissenstransfer wird hergestellt und Lernende durch Lehrende unterstützt.
All dies passiert natürlich nicht von allein. Einerseits sind Studierende – soweit dies heute noch möglich ist – eigenständig an ihrem Lernprozess beteiligt. Andererseits leisten Beschäftige im Wissenschafts- und Hochschulwesen viel, um ausreichend Lehrangebote zu bereitszustellen und die Studierenden zu unterstützen.
Zudem sind diese Beschäftigte heute mit steigenden Studierendenzahlen und die Reform der Studiengänge, einer autonomen Steuerung der Einrichtungen und der zunehmenden Bedeutung der Drittmitteleinwerbung kämpfen. Diesen Anforderungen müssen sich die Beschäftigten in der Wissenschaft stellen, ohne dass sie aufgabengerechte Bedingungen vorfinden. Befristete Arbeitsverträge und weitere Formen atypischer und prekärer Beschäftigung betreffen immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden selbstständige Forschung und Lehre und verlässliche berufliche Perspektiven verwehrt.
Das „Templiner Manifest” soll dafür Abhilfe schaffen. Sie ist das Ergebnis der 4. GEW-Wissenschaftskonferenz „Traumjob Wissenschaft?”, die vom 1. bis 4. September 2010 in Templin (Brandenburg) mit über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfand.
Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hat in diesem Manifest zehn Eckpunkte für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung festgelegt, die nun Unterstützung sucht:
1. Promotionsphase besser absichern und strukturieren
Wir verstehen die Promotion als erste Phase wissenschaftlicher Berufsausübung. Für Doktorandinnen und Doktoranden fordern wir daher ausreichend tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse zur Qualifikation mit Sozialversicherungsschutz, die mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen. Fächerübergreifende Graduiertenzentren sollen alle Promovierende bei der Aufnahme, Durchführung und dem erfolgreichen Abschluss des Promotionsvorhabens unterstützen. Wir treten für mehr Transparenz und soziale Gerechtigkeit beim Zugang zur Promotion ein – auch für Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen.
2. Postdocs verlässliche Perspektiven geben
Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Postdocs) müssen verlässliche berufliche Perspektiven haben: durch einen Tenure Track, der den dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung ermöglicht – unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und –entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Hochschullehrerlaufbahn muss über unterschiedliche Karrierewege erreichbar sein, die Habilitation ist dabei immer nur eine Möglichkeit.
3. Daueraufgaben mit Dauerstellen erfüllen
Neben Stellen zur Qualifikation und Professuren benötigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausreichend Stellen, auf denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unbefristeten Verträgen Wissenschaft als Beruf ausüben können. Nur so lassen sich die Daueraufgaben in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement mit der erforderlichen Kontinuität und Qualität erfüllen. Und nur dann eröffnen sich qualifizierten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berufliche Perspektiven auch neben der Professur.
4. Prekäre durch reguläre Beschäftigung ersetzen
Viele Hochschulen lassen unter großem finanziellen Druck einen erheblichen Teil ihrer Pflichtlehre von Lehrbeauftragten erbringen. Mit der Ausbeutung von Dumping-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr- und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse erhalten. Soweit zur Ergänzung des Lehrangebots Lehraufträge sinnvoll sind, müssen Mindeststandards im Hinblick auf Bezahlung, Vertragsdauer und Verlängerungsoption gelten.
5. Im Gleichgewicht lehren, forschen und leben
Wissenschaft ist ein normaler Beruf, auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Recht auf eine Work-Life-Balance. Das setzt eine familiengerechte Gestaltung von Hochschule und Forschung voraus. Dabei gehen wir von einem breiten Familienverständnis aus, das alle Lebensgemeinschaften einschließt, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Wir fordern bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Beschäftigten mit betreuungs- und pflegebedürftigen Angehörigen und die Realisierung entsprechender Arbeitszeitmodelle.
6. Ausgeglichenes Geschlechterverhältnis durchsetzen
Da Frauen in leitenden Funktionen des Wissenschaftsbetriebs unterrepräsentiert sind, brauchen wir wirksame Maßnahmen, um den Anteil der Frauen auf allen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Ziel eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses zu erhöhen. Die Qualität der Arbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen muss danach beurteilt werden, mit welchem Erfolg sie den Gleichstellungsauftrag erfüllen. Wir fordern eine verbindliche und mit Sanktionen verknüpfte Quotierung, auch bei der Besetzung von Professuren und Leitungsfunktionen. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte brauchen wirksame Gestaltungsmöglichkeiten und Beteiligungsrechte.
Unterstützen könnt ihr dieses Manifest mit Eurer Unterschrift, wenn ihr auf folgende Seite geht und dort online unterschreibt: [gew.de]
Aber auch Studierende stellen einen wichtigen Stützpfeiler des Hochschulbetriebs dar. Studentische Beschäftigte halten den Betrieb an der Uni aufrecht, ihre Ausbeutung und die fehlende Anerkennung wird aber immer unter den Teppich gekehrt. Um Haushaltslöcher zu stopfen, übernehmen sie immer mehr Tätigkeiten von eigentlich Festangestellten, was in seiner Folge zu steigendem Lohndumping im Hochschulbetrieb führt.
Zu guter Lehre und Forschung gehören gute Arbeitsbedingungen. Auch Studierende leisten wichtige Arbeiten in Hochschule und Wissenschaft – werden aber schlecht bezahlt und ihnen werden oftmals elementare Arbeitsrechte verwehrt: Fehlende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, nicht gewährter Urlaubsanspruch sowie unbezahlte Überstunden sind für fast alle studentisch Beschäftigten der Regelfall.
Um dies zu ändern, brauchen wir einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, der eine Mindestvergütung von 11 € pro Stunde garantiert, die Einrichtung von studentischen Personalräten, die Einhaltung der gesetzlich garantierten Arbeitsrechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch und Feiertagsausgleich, eine Mindestvertragslaufzeit von vier Semestern, die Einhaltung vereinbarter Arbeitszeiten, eine transparente Stellenbesetzung, einen Anspruch auf Weiterbildung sowie eine Vergütung der geleisteten Arbeit in Geld und nicht in Leistungspunkten.
Es liegt noch viel politische Arbeit vor uns um derart viele Punkten zu einer Lösung zu verhelfen. Die Unterstützung des Manifestes kann ein Punkt dafür sein. Gelöst werden können sie aber vor allem vor Ort, wenn alle sich daran beteiligen und der Ausbeutung im Hochschulbereich endlich ein Ende setzen.





































Deutschland habe seit vielen Jahrzehnten über seine Verhältnisse gelebt



















Der Versuch von Bundesminister Röttgen, der Union in der Energiepolitik einen modernen Anschein zu geben, ist an der Atomlobby in CDU/CSU gescheitert. Die Monopolgewinne der vier großen Stromkonzerne in der Risikotechnologie Atomkraft sind für die schwarz-gelbe Koalition wichtiger als hunderttausende zukunftssichere Arbeitsplätze bei erneuerbaren Energien. 

























